So., 20. Aug. 2017, 22:54

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Über das Schreiben

Wie und wann kam ich dazu, einen Roman zu schreiben? Die Antwort darauf ist schwierig, denn es gab kein Aha-Erlebnis, das mich dazu bewogen hat, mit dem Schreiben zu beginnen. Vielmehr war es ein langer Prozess, der bis in meine frühe Kindheit zurückreicht.

Wie wohl jedes Kind mochte ich Geschichten – abends etwas vorgelesen zu bekommen war natürlich immer ein Highlight. Das ging dann soweit, dass – wenn ich unbedingt wissen wollte, wie es in einer Geschichte weitergeht – ich mir eine Fortsetzung selbst ausgedacht habe. Und da ich nun einmal nicht schreiben konnte, habe ich eben Bücher „gemalt“. Dutzende zusammengetackerte Heftchen über alle möglichen Figuren aus meinen Lieblingsgeschichten umfasste meine Sammlung. Und bald dann erdachte ich eben eigene Geschichten, mit eigenen Figuren.

Sobald ich dann lesen konnte, habe ich Bücher verschlungen. Und viele habe ich nach der Hälfte wieder weggelegt, weil ich mir gedacht habe: „Das ist aber blöd, dass es SO weitergeht…“

Also begann ich zu schreiben, wo ich früher Bilderbücher gezeichnet hatte. „Der kleine Hobbit“ und die Figuren aus „Der Herr der Ringe“ zum Beispiel durchlebten bald ganz neue Abenteuer in den kurzen Geschichten, die ich aufschrieb.

Da ich aufwuchs in einer Familie, in der immer viel auf Sprache und miteinander Sprechen gelegt wurde, war in mir der Keim bereits längst gesät. Während der Schulzeit ging dieser Keim dann auf, ich entdeckte meine Liebe zu Sprachen und dazu, mit Sprachen zu spielen - Wortspiele, verwinkelte Satzstrukturen und dergleichen.

Entsprechend beschloss ich, aus meiner Vorliebe für Sprachen einen Beruf zu machen und begann mein Studium der Anglistik und Germanistik in Marburg. Im Verlauf meines Deutschstudiums dann belegte ich ein Seminar über Kriminalliteratur. Es ging los mit E. A. Poes „Die Morde in der Rue Morgue“, was als erste klassische Detektivgeschichte gilt und ging dann weiter mit verschiedenen Autoren und ihren Detektiven, darunter natürlich Klassiker wie Arthur Conan Doyles „Sherlock Holmes“ oder Raymond Chandlers „Philip Marlowe“, aber auch moderne Werke, wie zum Beispiel Jakob Arjounis Fälle für seinen „Kemal Kayankaya“, in denen sehr viel Szenekolorit der Frankfurter Unterwelt mitschwingt. Schließlich und endlich kamen auch die „Kunstkrimis“ wie Friedrich Dürrenmatts Kommissär Bärlach-Romane „Der Richter und sein Henker“ und „Der Verdacht“ oder sein von ihm selbst als „Requiem auf den Kriminalroman“ bezeichnete Roman „Das Versprechen“.

Es waren aber nicht so sehr die vielen Detektivgeschichten (obwohl viele davon wirklich gut waren!), die wir lasen, sondern vielmehr die analytische Betrachtung derselben, was mir ungeheuren Spaß machte. Wie funktioniert denn eigentlich nun ein „Whodunnit“, also ein Krimi zum Mitraten? Worauf muss der Autor achten, welche „Spielregeln“ gibt es? Dabei arbeiteten wir van Dines „20 Regeln für eine Detektivgeschichte“ genauso durch wie diverse wissenschaftliche Abhandlungen. Warum gilt denn ausgerechnet Poes „Morde in der Rue Morgue“ als erste Detektivgeschichte?

Am Ende dann stand eine Seminararbeit der besonderen Art: Ein Kurzkrimi war zu schreiben, in dem alles Gelernte irgendwie umgesetzt werden sollte – ein regelrechter Whodunnit eben. Mich hat es fasziniert, mit dem Leser zu spielen, ihn auf falsche Fährten zu locken und dabei immer wieder – möglichst unauffällig und versteckt – wichtige Hinweise einzubauen, die am Ende dann die Auflösung des Falles völlig plausibel erscheinen lassen.

Mein Kurzkrimi „Hong Kong Connection“ war das Resultat – wohl mein erstes Werk mit einem gewissen literarischen Anspruch. Ich erhielt die Bestnote und äußerst positives Feedback, was mich unglaublich motivierte und anspornte.

Vielleicht war das der Moment, in dem bei mir endgültig der Wunsch wach wurde, einmal ein Buch zu veröffentlichen. Es folgten weitere kurze Erzählungen, etliche Gedichte auf Deutsch und Englisch und auch ein oder zwei Romananfänge – die aber mit gutem Gewissen nicht einmal als fragmentarisch bezeichnet werden dürfen. Am Ende des Studiums folgte eine sehr erfolgreiche Examensarbeit über „Die Kriminalromane Friedrich Dürrenmatts“.

Nach dem Abschluss meiner beruflichen Ausbildung trat ich in den Schuldienst ein – und sah mich vor Horden von Kindern, die zum großen Teil erst einmal an das Lesen auch von längeren Texten herangeführt werden wollten. Also erging ich mich in der Lektüre zahlloser Jugendromane, die ich vielleicht irgendwann einmal im Unterricht einsetzen könnte – und kam zu der traurigen Erkenntnis, wie viele minderwertige, lausig geschriebene und inhaltlich mehr als fadenscheinige Werke da in den verschiedensten Broschüren als „wertvoll“ und „pädagogisch sinnvoll“ beworben wurden. Weiter fiel mir auf, dass ein gewisser Autor, der seit vielen Jahren Romane im Akkord produziert – zeitweise nahezu einen pro Quartal, jeder mit 500 Seiten oder mehr – als die große Offenbarung der deutschen Fantastik gepriesen wurde.

Für viele mag es nun unglaublich arrogant klingen, aber ich sagte mir: „Das kannst du besser!“

Nun war es nicht meine Motivation, irgendwelche anderen Autoren in ihre Schranken zu verweisen – jeder soll doch lesen, was ihm gefällt. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass so viel, sagen wir mal, merkwürdiges Geschreibsel (gerade in Bezug auf die vermeintlich so pädagogisch wertvollen Schullektüren) auf dem Markt war, dachte ich mir, dass es dann ja unter Umständen noch eine Nische für mich und meine Werke geben könnte.

Und dann begann es im Sommer 2005, anlässlich des 15. Geburtstages meines lieben Neffen Jan, dem ich eine kurze Erzählung zu widmen gedachte. Aus der „kurzen Erzählung“ wurden knapp 350 Seiten, da die Ideen nur so aus mir heraus sprudelten. Zwar hatte ich den gesamten Rahmen, die Kernhandlung, bereits längst im Kopf, aber es kamen immer weitere Details hinzu. Die Figuren erwachten in meinem Geiste zum Leben – und plötzlich war da jenes Seminar zur Kriminalliteratur wieder präsent, also fühlte ich mich genötigt, die Leser herauszufordern zu einem Ratespiel. Ich habe Puzzleteile eingebaut, die auf die Lösung hindeuten, ich habe falsche Fährten gelegt.

Und am Ende steckt ein gutes Stück „Whodunnit“ in dem Roman, genauso wie einige fantastische Elemente und eine gute Prise Horror und Mystik.

Abschließend kann ich mit einem gewissen Stolz sagen, dass ich nun meinen ersten Roman fertig gestellt und veröffentlicht habe – und dabei kann ich meinen wohl wichtigsten Grund für das Schreiben benennen:
Ich wollte, dass mein Werk einmal in einer Buchhandlung steht, damit auch andere meine Geschichte/n lesen können. Das ist doch wohl die Ambition eines jeden Geschichtenerzählers.